Keschtefest Musikverein "Eichelberg" Oberweier e.V.
vom 26.10. bis 29.10.2012
Blasmusik Nonstop und Spezialitäten aus unserer Gourmetküche
Keschtefest 2009:
23. - 26. Oktober 2009
Programm
Castanea sativa, Maronen, Edelkastanien oder "Keschte", wie sie in Oberweier heißen, wer kennt nicht die großen weitausladenden Bäume, die auf der Gemarkung stehen. Der braunen, glänzenden Frucht mit ihrer stacheligen Schale ist im Gaggenauer Stadtteil am Eichelberg einen ganzen Monat lang ein Fest gewidmet ist, eben das "Keschte-Fest".
Jedes Jahr im
Oktober beginnt dort die "fünfte Jahreszeit", die Festsaison.
Wenn in anderen Orten die großen Brauereizelte längst abgebaut
sind und die Bewohner sich nur noch an die Sommerfeste erinnern, wird Oberweier
erst aktiv.
Wie die "Keschte
" ihren Weg in das vordere Murgtal gefunden hat, lässt sich nicht
mehr vollständig nachvollziehen. Ursprünglich stammt sie aus Westasien,
fand aber zur Zeit der Römer ihren Weg als "Begleiterin des Weines"
in die Wärmeren Gebiete Deutschlands, meist in Weinbaugebiete. Dass die
Römer hier in der Gegend siedelten, bewiesen die Ausgrabungen beim Stadtteil
Winkel, und Wein wurde hier auch angebaut. Die Verbindung Wein und Kastanie
lässt sich auch so erklären, dass das Holz des Baumes sehr widerstandsfähig
ist und als Rebpfähle Verwendung fand. Die Verbindung wird heute noch
sehr geschätzt, nämlich in Form von gekochten "Keschten"
und Neuem Wein beim "Keschte Fest" in Oberweier.
Möglicherweise
kam die Kastanie auch mit den Tiroler Einwanderern des 14. und 15. Jahrhunderts
in die Region. Zu der Zeit, vor der Verbreitung der Kartoffel, war sie als
stärkehaltiges Grundnahrungsmittel begehrt, selbst Brot wurde aus dem
Kastanienmehl gebacken. Diesen Stellenwert in der Küche hat sie zwar
heute nicht mehr, aber eine mit Kastanien gefüllte Gans mit Rotkohl erfreut
heute noch den Gaumen des Feinschmeckers, und auch die Nouvelle Cuisine hat
die süßliche Frucht in den verschiedenen Zubereitungsformen wiederentdeckt.
Auch in der Medizin und sogar als Kaffeeersatz wurde die Kastanie verwendet,
seit dem 16. Jahrhundert ist die Anwendung von Schale und Frucht gegen Diarrhö
bekannt, in geringerem Maße werden die Blätter seit dem 19. Jahrhundert
gegen Keuchhusten verwendet. Nicht zu vergessen ist auch ihre Rolle als Mastfutter
für das Vieh.
Wie es nun konkret
zu der Entwicklung der Keschte-Feste in Oberweier kam, darüber schweigt
die Geschichte. Nachforschungen im Gaggenauer Stadtarchiv ergaben, dass schon
Mitte des 19. Jahrhunderts "Tanzlustbarkeiten" von der damaligen
Großherzoglichen Regierung genehmigt wurden. Zumeist im Oktober, allerdings
ist hier auch eine Verbindung zum Erntedankfest denkbar. Die Anträge
wurden von den Wirten der Gasthäuser gestellt, im "Hirsch"
und im "Kreuz" wurde damals getanzt.
Die erste aufgefundene
aktenkundige Erwähnung des Kastanienfestes in Oberweier stammt vom 8.
Oktober 1925. Damals genehmigte das Badische Bezirksamt in Rastatt dem Radfahrverein,
"am Sonntag, dem 11. Oktober 1925 im Gasthaus "Hirsch" in Oberweier
ein Tanzvergnügen (Kastanienfest) durchzuführen." Die Musik
ist um 1/2 12 einzustellen, um 12 muss die Wirtschaft von Gästen geräumt
sein", heißt es in der Genehmigung. Am selben Sonntag fanden auch
in der "Krone" und im "Kreuz" Kastanienfeste statt.
Die Keschte-Feste
in ihrer heutigen Form unter der Regie der örtlichen Vereine, im Festzelt
oder im "Dresch-Schopf" bei der damaligen Dreschmaschine, entstanden
in den 50er und 60er Jahren und erfreuen sich seit damals immer wachsender
Beliebtheit

alle Keschtefeste in Oberweier:
06.- 08.10.2012 Freiwillige Feuerwehr
13.- 14.10.2012 Turnverein
20.- 22.10.2012 Männergesangverein "Eintracht"
26.- 29.10.2012 Musikverein "Eichelberg"
Das Keschtefest
(Von Markus Mack)